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Visionen: Strategische Perspektiven auf die Zukunft des Politischen

Veröffentlicht am
Autoren
Konstantin Bätz
Christian Blum
Dominik Meier
Schlagwörter
Orientierungswissen
Demokratie

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, soll Helmut Schmidt mal im Wahlkampf gesagt haben. Gilt das auch heute noch?

Darüber diskutierten wir am 17.01.2024 gemeinsam mit vier Panelisten und ausgewählten Gästen im ersten FMP Event. Hier veröffentlichen wir die Eröffnungrede des Events und einige Eindrücke.

Nachswuchsessay ausgezeichnet

Im Zuge des Events durften wir auch den Sieger des 1. FMP Essay Wettbewerbs küren. Die Jury von FMP – Frau Dr. Mertens, Frau Klug und Frau Prof. Dr. Masemann –, die mit der Endauswahl betraut war, stand vor einer schweren Entscheidung. Aber am Ende stach ein Aufsatz heraus: Joel Christophs “Strategic Decision-Making: A Roadmap for Germany to Transition from Crisis Response to Foresight”.

Herausgeber Christian Blum überreicht den mit 500€ dotierten FMP Essay Preis an Joel Christoph.

Warum? Weil der Text genau die Gütekriterien erfüllt, die einen erfolgsversprechenden Debattenimpuls ausmacht. Er ist klar durchargumentiert, konzise, schnörkellos verfasst, und vor allem ist er absolut konkret und anwendungsorientiert, ohne die politische Realität zu ignorieren.

Der Autor Joel Christoph ist PhD Researcher am European University Institute in Florenz und spezialisiert sich auf wirtschaftliche und politische Analyse sowie Vorausschau. Er ist außerdem Direktor der gemeinnützigen Organisation Effective Thesis, die sich der Unterstützung von Nachwuchsforschern widmet.

In seinem Essay schlägt er ein Reformprogramm für Deutschlands Krisen-Resilienz vor, das auf Lernerfahrungen aus der Privatwirtschaft und aus anderen Staaten fußt. Dazu zählen:

  • Die Einrichtung eines leitenden Exekutivorgans für jede Art von Krise mit der Aufgabe Reaktionsmaßnahmen auf allen Regierungsebenen zu koordinieren und so die Ressourcenzuweisung und die Umsetzung von Maßnahmen zu optimieren;
  • Die Delegation von Zuständigkeiten an ressort-einschlägige Ministerien unter Einbeziehung der föderalen Ebenen; und
  • Die Einführung von Szenarioanalysen und Krisentrainings, um künftige Herausforderungen bereits jetzt zu antizipieren und zu adressieren – und nicht erst, wenn sie schon eingetreten sind

 

Eröffnung durch Herausgeber Dominik Meier

Liebe Freunde von FMP,

als Mitherausgeber des Online-Magazins Freiheit|Macht|Politik freue mich sehr, Sie und Euch in Räumlichkeiten der AMD Hochschule Mode & Design begrüßen zu dürfen.

Für unsere Abendveranstaltung „Visionen. Strategische Perspektiven auf die Zukunft des Politischen“ haben wir uns ganz bewusst für eine Location jenseits der politischen Blase entschieden, die für Unkonventionalität und neue Wege steht.

Von Bundeskanzler Helmut Schmidt ist das Bonmot überliefert: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“. Dieses Diktum hat jahrzehntelang das Selbstverständnis der deutschen Politik geprägt: pragmatisch, ohne Pathos, ohne wir-Gefühl, und ohne wirkliche Verantwortung. Aber in der heutigen Ära der geo-, wirtschafts- und klimapolitischen Polykrise kommen wir mit dieser Vorstellungswelt nicht weiter.

Warum? Weil visionslose Politik auf das bloße Abarbeiten von Krisenphänomene hinausläuft: Energiepreissteigerungen, Flüchtlingsaufkommen, Bauernproteste, rechtsextreme Verschwörungen – die Liste ist lang, und die Politik kommt nicht mehr aus der Defensive. Die deutsche Politik steckt in einer Sackgasse. Sie verfällt in bekannte Schemata: Probleme werden mit Geld zugeschüttet – Stichwort: Bazooka –, und jede Initiative wird im föderalen Kompetenzgerangel erstickt.

Was noch schwerer wiegt: Visionslose Politik ist unstrategisch. Strategie ist die wahrscheinlichkeitsbasierte Definition des kostennutzenoptimalen Kausalpfads zu einem konkreten Ziel. Sie ist per Definition von einer proaktiven Zukunftsvision getragen: Wer wollen wir sein? Wo wollen wir hin? Wie können wir besser werden?

Diese Fragen sind das Fundament von Freiheit|Macht|Politik, kurz: FMP. Unserem pluralistischen Online-Magazin für politische Analyse und Strategie, das wir im Dezember 2022 gegründet haben und dem die heutige Abendveranstaltung gewidmet ist.

In unserem ersten Editorial, das zugleich das Gründungsmanifest von Freiheit|Macht|Politik ist, haben wir fünf zentrale Herausforderungen ausgemacht, die wir annehmen wollen:

Erstens, die Mechanismen politischer Entscheidungsprozesse in den krisengeschüttelten spätmodernen Demokratien Europas zu reflektieren und die Verantwortungsspielräume von Repräsentanten, aber auch von Führungskräften und Vordenkern in Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Kultur neu zu verorten.

Zweitens, die komplexen Interaktionsmuster zwischen den verschiedenen Macht- und Gesellschaftsfelder in den Staaten Europas zu verstehen und neue Chancen für Synergien und Aufgaben- und Arbeitsteilungen durch einen multidisziplinären, transkulturellen Austausch auszuloten.

Drittens, die ideologischen Gräben entlang der großen Konfliktlinien unserer Zeit – Globalisierung, Wertschöpfung, Identität, Populismus, Schwarz-Weiß Denken etc. – zur überwinden und Missverständnissen, die teilweise an der Wurzel gesellschaftlicher Antagonismen liegen, durch Analyse ihrer Genealogie aufzulösen.

Viertens, Lösungsansätze und alternative Krisenstrategien zu entwickeln, die sich nicht in Ad-hoc-Maßnahmen erschöpfen, sondern langfristige planungs- und wahrscheinlichkeitsbasierte Vorteilsberechnungen umfassen.

Fünftens, interessierte und der Freiheit verpflichtete Menschen miteinander zu vernetzen, um den offenen, kreativen und fairen Dialog untereinander anzuregen.

Diesem Anspruch, vorausdenkende Menschen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur ins Gespräch zu bringen und zukunftsprägende Schnittstellenthemen auszuloten, haben wir uns gestellt: Zahlreiche Autoren konnte FMP aus dem In- und Ausland mit inspirierenden, informativen, provokativen Essays gewinnen. Im vergangenen Jahr haben wir unsere Publikationszyklen unter die Zeichen der Energiepolitik und des neuen Jahrhundertthemas KI gestellt; und wir freuen uns darauf, als nächstes die Herausforderungen von Bildung und Forschung ins Visier zu nehmen

Dabei sind wir bestrebt, Debatten über Fachgrenzen hinweg anzustoßen und kluge Nachwuchsautoren genauso ins Boot zu holen wie profilierte, renommierte Diskursgestalter. In dem Zusammenhang freue ich mich besonders, dass der Träger des Freiheit|Macht|Politik-Nachwuchspreises, Joel Christoph, heute hier ist.

Intellektuelle Unabhängigkeit, kritisches Nachfragen, aber auch die Akzeptanz der Logik von Macht ist unser Anspruch. FMP möchte einen Orientierungsrahmen für ein Weiter-Denken von politischen Formen und Instrumenten geben. Dabei ist uns das Spannungsfeld von Macht und Freiheit sehr bewußt: Ohne Macht ist Politik aber unnütz, ohne Freiheit ist sie unmenschlich. Im Verbund bilden beide Prinzipien unsere liberal rechtsstaatliche Wertegrundlage. Diese gilt es mit aller Kraft zu verteidigen.

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Orientierungswissen
Demokratie

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